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17.11.2016

25 Jahre Epilepsiechirurgie in Bethel – Es begann bei einem Kaffee in Jerusalem


Gemeinsam feiern die ehemaligen Mitarbeiter der Epilepsiechirurgie mit den aktiven Mitarbeitern das 25-jährige Jubiläum. (v.l.) Dr. Thilo Kalbhenn, leitender Arzt Epilepsiechirurgie, Dr. Rainer Norden, Bethelvorstand, Dr. Heinz-Wolfgang Pannek, Epilepsiechirurg im Ruhestand, Dr. Alois Ebner, ehemaliger Leiter des Epilepsie-Zentrums, Rolf Eickholt, Geschäftsführer Gesellschaft für Epilepsieforschung, Christoph Schmidt, Prof. Dr. Falk Oppel, Dr. The Anh Vuong, ehemaliger Leiter der medizinisch-technischen Datenverarbeitung Klinik Mara, Prof. Dr. Dierk Dommasch, ehemaliger Chefarzt der Neurologie EvKB, Prof. Dr. Christian Bien und Prof. Dr. Peter Wolf, ehemaliger Leiter des Epilepsie-Zentrums Bethel.

Prof. Dr. Peter Wolf (l. hinten) und die „Clevelandgruppe“ bei einer Besprechung in der Klinik Mara.

Prof. Dr. Hans Lüders hat maßgeblich am Aufbau der Epilepsiechirurgie in Bethel mitgewirkt.

Das Wiedersehen erinnerte ein wenig an ein Klassentreffen. Die ehemaligen Kolleginnen und Kollegen fielen sich in die Arme und erinnerten sich an die gemeinsamen Zeiten im Epilepsie-Zentrum Bethel. Zum Symposium anlässlich des Silberjubiläums der Epilepsiechirurgie Bethel kamen jetzt rund hundert Gäste in die Aula der Mamre-Patmos-Schule. Darunter waren auch die Pioniere und ihre Mitstreiter, die dafür gesorgt haben, dass in Bethel die erste Epilepsiechirurgie Deutschlands eingeführt wurde.

Mit über 6.000 Kilometern hatte Prof. Dr. Hans Lüders die weiteste Anreise. Der ehemalige Leiter einer neurologischen Klinik in Cleveland im amerikanischen Bundesstaat Ohio war maßgeblich am Aufbau der Epilepsiechirurgie in Bethel beteiligt. Denn bevor es an den Start ging, wurden alle Fachkräfte für die neue Aufgabe bei ihm im Krankenhaus geschult. „Ich war gerade 30 Jahre alt und in der Klinik Mara als Pfleger beschäftigt“, erinnert sich Christoph Schmidt, Pflegedirektor im Ev. Krankenhaus Bielefeld (EvKB), an das Jahr 1989. „Plötzlich fragte man mich nach meinen Englischkenntnissen. Und kurz danach fand ich mich in Cleveland wieder“. Ärzte, Medizinisch-Technische Assistenten, Pflegekräfte und andere Berufsgruppen flogen einer nach dem anderen über den Atlantik, um sich in der Stadt am Eriesee, fortbilden zu lassen.

Der Kontakt zwischen Bethel und Cleveland ist eher einem Zufall zu verdanken. „Es begann in einem Kaffeehaus in Jerusalem 1988“, verrät Prof. Dr. Hans Lüders. Der Amerikaner mit deutschen Vorfahren hatte einen wissenschaftlichen Kongress in Israel besucht und dort den Leiter des Epilepsie-Zentrums Bethel, Prof. Dr. Peter Wolf, kennengelernt. Die beiden verabredeten sich, und Prof. Wolf erzählte ihm von dem ehrgeizigen Projekt in Bethel. So wurden bei einer Tasse arabischem Kaffee mit süßem Gebäck die ersten Fäden zwischen Bethel und Cleveland gesponnen. „Die Kooperation war unwahrscheinlich erfolgreich. Das konservative Bethel entwickelte sich zu einem der progressivsten und besten Epilepsie-Zentren in Deutschland“, unterstreicht Prof. Lüders beim Symposium.

Die Entscheidung eine Epilepsiechirurgie zu etablieren ist dem Vorstand der v. Bodelschwinghschen Anstalten Bethel jedoch nicht leicht gefallen. Zwar gab es in der Klinik Gilead schon eine große Neurochirurgie unter dem Chefarzt Prof. Dr. Falk Oppel. Aber dort wurde krankes Gewebe wie Tumore aus dem Gehirn entfernt. Bei der Epilepsiechirurgie, so die Meinung, würden gesunde Areale aus der Denk- und Schaltzentrale des Menschen herausgeschnitten. Es bedurfte vieler Diskussionen, um die Epilepsiechirurgie-Gegner davon zu überzeugen, dass ein epileptischer Herd im Hirn auch als pathologisch zu beurteilen ist. Die Entscheider machten es sich dennoch nicht leicht und knüpften Bedingungen an ihre Zustimmung. „Das Soziale war dem damaligen Anstaltsleiter Pastor Johannes Busch wichtig. Wenn es in Bethel eine Epilepsiechirurgie geben solle, dann nur wenn im Anschluss der OP Rehabilitation und Berufsausbildung angeboten würden. Das war sehr weitsichtig gedacht“, sagt Pastor Reinhold Balzer, der Theologische Direktor des Epilepsie-Zentrums.

Im Januar 1991 nahm die Epilepsiechirurgie ihre Arbeit auf. „Warum ausgerechnet Bethel, wer hat das Gutachten dafür erstellt“, stellt Prof. Dr. Christian Bien, Chefarzt des Epilepsie-Zentrums, die rhetorische Frage. Das entscheidende Urteil, die Epilepsiechirurgie nach Bethel zu vergeben – immerhin an einen nicht-universitären Standort – habe der Leiter der Klinik für Epileptologie der Universität Bonn, Prof. Dr. Christian Elger, gegeben, informierte Prof. Bien beim Jubiläumssymposium. Ihn habe die Größe und Bedeutung sowie das Niveau der Pflege überzeugt. Die Neurochirurgen in Bethel hofften damals, bei 40 bis 60 Prozent der Patienten eine völlige Anfallsfreiheit zu erreichen. „Die Prognose hat sich erfüllt. Es sind rund 50 Prozent“, unterstreicht Prof. Bien den Erfolg des Programms.

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