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01.03.2013

Epilepsie-Diagnostiker mit Cleveland-Feinschliff: Dr. Alois Ebner geht in den Ruhestand


Professor Dr. Christian Bien (r.), Chefarzt des Epilepsie-Zentrums Bethel, dankte seinem Amtsvorgänger Dr. Alois Ebner für die getane Arbeit.

Mehr als 20 Jahre hat Dr. Alois Ebner vor Operationen die Anfallsherde im Gehirn ermittelt.

Mit einem 7.000-Kilometer-Flug über den Atlantik im September 1990 startete für Dr. Alois Ebner die persönliche „Bethel-Zeitrechnung“. Denn bevor es für den Neurologen an seinen künftigen Arbeitsplatz am Teutoburger Wald ging, musste er die lange Reise nach Cleveland im US-Bundesstaat Ohio antreten. Rund 23 Jahre später endet diese „Bethel-Zeitrechnung“ für den leitenden Arzt der präoperativen Diagnostik und ehemaligen Chefarzt des Epilepsie-Zentrums Bethel: Mit einem Symposium wurde Dr. Alois Ebner am Samstag, 23. Februar, verabschiedet, Ende März geht er in den Ruhestand.

„Das waren zwei spannende Anfangsjahre in Cleveland“, erinnert sich Alois Ebner heute. Er gehörte zu einer mehrköpfigen Gruppe von Ärzten, die sich im Auftrag des Epilepsie-Zentrums Bethel für das ambitionierte „Epilepsiechirurgie-Programm“ fortbilden sollte. Die „Cleveland-Gruppe“ sollte maßgeblich dazu beitragen, die Epilepsie-Chirurgie in Bethel aufzubauen und zu etablieren. Dr. Alois Ebner wurde speziell für die präoperative Diagnostik aus der niedersächsischen Kleinstadt Westerstede geholt. Dort war der gebürtige Augsburger als Oberarzt in einer neurologischen Klinik tätig.

Nach seiner Rückkehr aus den USA nahm er in Bethel zunächst als Oberarzt seine Arbeit in der präoperativen Diagnostik auf. Er erlebte „heftigste Diskussionen“ in Bethel, ob epilepsiechirurgische Eingriffe mit dem christlichen Selbstverständnis und den ethischen Grundsätzen Bethels vereinbar sind.1994 wurde er leitender Arzt der präoperativen Diagnostik. Seine Abteilung leistete einen wesentlichen Beitrag dazu, die Unsicherheiten gegenüber der neuen Therapieform zu beseitigen.

Dr. Alois Ebner setzte sich für die technische Modernisierung der bildgebenden Diagnostik in Bethel ein, so zum Beispiel für die Anschaffung digitaler Video-EEG-Anlagen. Von 2007 bis 2010 war er Chefarzt des Epilepsie-Zentrums Bethel. Er bekam es direkt mit dem eklatanten Ärztemangel in Deutschland zu tun, von dem auch das Epilepsie-Zentrum Bethel betroffen war. „Vier Assistenzarztstellen waren unbesetzt. Glücklicherweise ist es uns aber wegen unserer guten Arbeitsbedingungen und unseres Renommees in relativ kurzer Zeit gelungen, gute Leute zu gewinnen“, so der 65-Jährige.

Wichtig war dem Neurologen auch die Forschung. Seine Arbeiten wurden mit dem „Alfred-Hauptmann-Preis für Epilepsieforschung“ und mit dem Wissenschaftspreis „Robert-Wattenberg-Lecture“ ausgezeichnet. Im November 2010 wurde ihm der „Lilly Quality of Life“-Preis verliehen. Ebner erhielt die Auszeichnung für eine europaweit einmalige Studie zur Lebensqualität von Menschen, die epilepsiechirurgisch operiert wurden. Als jüngsten persönlichen Erfolg und „Quantensprung für die Diagnostik“ wertet er die Anschaffung des 3-Tesla-Magnetresonanztomografen im Oktober 2011. Zu diesem Zeitpunkt war es das einzige MRT-Gerät in Deutschland, das besonders für Menschen mit Epilepsie da ist.

Die fachlichen Schwerpunkte in der Vita von Dr. Alois Ebner standen auch bei dem zweitägigen Epilepsie-Symposium in Bethel im Mittelpunkt: Hauptsächlich ging es um die prächirurgische Epilepsiediagnostik sowie um die chirurgische Epilepsietherapie. Zunächst stellten Kolleginnen und Kollegen aus dem Epilepsie-Zentrum Bethel das weite Spektrum unterschiedlicher fachlicher Ausrichtungen – von der Berufsrehabilitation bis hin zu aktuellen OP-Techniken – in Vorträgen und Kurzseminaren vor. Am zweiten Veranstaltungstag meldeten sich renommierte Epilepsie-Experten und Wegbereiter aus Ungarn, Österreich und der Schweiz mit Fachbeiträgen zu Wort.


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