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19.11.2015

Epilepsiespezialist erhält Professur an Bielefelder Uni


Dekan Prof. Dr. Stefan Friese (links) und Uni-Rektor Prof. Dr. Gerhard Sagerer (rechts) ernannten Christian Bien zum außerordentlichen Professor der Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft. Foto: Norma Langohr

Professor Dr. Christian Bien, Chefarzt des Epilepsie-Zentrums Bethel im Krankenhaus Mara, ist von der Universität Bielefeld zum außerplanmäßigen Professor ernannt worden. Die Urkunde für das Amt an der Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft hat ihm am Donnerstag Rektor Prof. Dr. Gerhard Sagerer überreicht.

Prof. Bien, Jahrgang 1967, hat in Tübingen und Berlin Medizin studiert und sich 2006 in Bonn als Leitender Oberarzt an der Klinik für Epileptologie an der Universität Bonn habilitiert. Seit 2011 ist er Chefarzt des Krankenhauses Mara (Klinik für Epileptologie) sowie Wissenschaftlicher Geschäftsführer der Gesellschaft für Epilepsieforschung, Epilepsie-Zentrum Bethel, Bielefeld und Direktor des Instituts der Uni Bielefeld für interdisziplinäre Epilepsieforschung.

In seiner außerordentlich gut besuchten Antrittsvorlesung illustrierte Prof. Bien die Rolle der Epileptologie als „Fenster zum Gehirn“ und gab einen Abriss des Weges, auf dem sich Epileptologie und Neurowissenschaft nähergekommen sind. Den Beginn markierte Hans Berger, dem es 1924 als erstem gelungen war, bei einem Patienten ein Elektroenzephalogramm (EEG) abzuleiten. Berger verfolgte damit das Ziel, „psychische Energie“ messbar zu machen. „Das“, so Bien, „würden wir heute Parapsychologie nennen, das hat man auch damals nicht recht ernst genommen“. Wissenschaftler in den USA konnten in den 60er Jahren erstmals – mit einer neuen Auswertungstechnik des EEG – nachweisen, dass unerwartete Ereignisse eine spezifische Hirntätigkeit stimulieren. Die Frage war nur: Wo entstehen diese „P300-Potentiale“? Zeitlich parallel zu diesen Forschungen hatte sich in Kanada und in den USA die Epilepsiechirurgie etabliert. Schmerzlose Studien mit Epilepsiepatienten erlaubten es schließlich, auch die Generatoren der rätselhaften P300 im Gehirn zu entdecken. Seitdem haben die Biologische Psychologie und die epileptologischen Diagnosemöglichkeiten große Fortschritte gemacht: Den Ärzten im Krankenhaus Mara und jetzt eben auch den Neurowissenschaftlern der Abteilung Psychologie an der Uni Bielefeld steht heutzutage neben dem EEG ein High-End-Magnetresonanztomograph zur Erzeugung von Bildern aus dem Gehirn zur Verfügung.

Bien stellte in seiner Antrittsvorlesung zwei Beispiele für mit moderner Technik gewonnene Forschungsergebnisse vor. So konnte die Annahme, dass Patienten mit einer Epilepsie im Schläfenlappen schneller als Gesunde einer Demenz anheimfallen, differenziert werden. So stimmte die Annahme nämlich nicht. Bien: „Das Problem liegt in der Jugend.“ Denn die Gedächtnisleistung Epilepsiekranker erreicht gar nicht erst das Niveau Gesunder, im Alterungsprozess fallen Sie aber parallel zu gesunden Menschen ab. „Den Unterschied“, so Bien, „macht die Entwicklung“.

Eine weitere Erkenntnis, die die Neurowissenschaft über die Epileptologie erlangt hat, ist, dass der Mandelkern als Teil des limbischen Systems in seiner rechten Hälfte Angst prozessiert. Es konnte nämlich nachgewiesen werden, dass die Wahrnehmung negativer, angsterzeugender Reize bei Patienten vermindert war, bei denen der Mandelkern zur Behandlung ihrer Anfälle einseitig rechts entfernt worden war. Diesen und anderen Fragen werde man, so Bien, in Zukunft an dem Institut für interdisziplinäre Epilepsieforschung, das an der Universität Bielefeld angeschlossen ist, und dessen Leitung er inne hat, nachgehen.


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