| Titel: | Symposium "Hallo Baby"
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| Ort: | Bielefeld |
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"Durchbruch" in der Frühgeburten- Vermeidung
Frühgeburten sind vermeidbar – das ist die wichtigste Erkenntnis einer Studie des Perinatalzentrums Bethel. Das Programm „Hallo Baby“ kann die Säuglingssterblichkeit erheblich senken und viele Kinder vor Behinderungen schützen.
Seit 2005 unterstützt der Landesverband der Betriebskrankenkassen dieses Programm, an dem sich auch niedergelassene Frauenärzte in Nordrhein-Westfalen beteiligen. Dabei erhalten die Schwangeren einen Testhandschuh, mit dem sie selbst einfach und schmerzlos den PH-Wert, also den Säureanteil in ihrer Scheide messen können. Verändert sich dieser, ist dies ein frühes Zeichen einer Scheideninfektion. Solche Infektionen sind Auslöser für zwei Drittel aller Frühgeburten. Mit relativ einfachen Mitteln, etwa durch Vitamin C-Gabe, lassen sich Frühgeburten so rechtzeitig verhindern.
Seit Anfang 2006 führt das Perinatalzentrum Bethel eine Studie über die Wirkung dieser Vorsorge durch. Der Erfolg ist überzeugend. Rund 500 BKK-versicherte Frauen wurden in dieser Zeit entbunden. Knapp ein Drittel von ihnen nahm am Programm „Hallo Baby“ teil. Bei nur einer der Teilnehmerinnen kam es zu einer Frühgeburt vor der vollendeten 32. Schwangerschaftswoche. Im Vergleich zu den Nichtteilnehmerinnen: Hier gab es acht Frühgeburten mit einem Geburtsgewicht von unter 1.500 g. Ein Großteil der Frühgeburten ist also bei rechtzeitiger Intervention vermeidbar.
Diese Ergebnisse diskutierten Frauenärzte aus der Region jetzt im Perinatalzentrum Bethel. Dr. Andreas Luttkus, Chefarzt der Frauenklinik, hatte dazu unter anderem Prof. Erich Saling aus Berlin eingeladen. Er gilt als Erfinder dieser Präventionsmethode und wundert sich bis heute, dass sie immer noch nicht weiter verbreitet ist. „Was Ihnen hier in Bielefeld gelungen ist, kann man als einen Durchbruch bezeichnen,“ freute sich der erfahrende Perinatalmediziner. Erstmals hat eine Krankenkasse „Hallo Baby“ landesweit in ihr Programm aufgenommen.
Auf Nachfrage von Schwangeren übernehmen auch vereinzelte andere Kassen die Kosten, mit offiziellen Zusagen halten sie sich jedoch zurück, was für den niedergelassenen Gynäkologen Dr. Rolf Englisch völlig unverständlich ist, „denn die Kassen haben das Geld ohnehin in ihrem Budget.“ Außerdem seien die Kosten, die durch Frühgeburten entstünden, vermutlich teurer. Dass längst nicht alle seiner niedergelassenen Kollegen sich aktiv an dem Programm beteiligen, ist die andere Schwachstelle im System. „Im Praxisalltag schaut man natürlich nicht ständig darauf, wie eine Frau versichert ist,“ macht Englisch deutlich, dass eine generelle Kostenübernahme durch die Kassen es auch den Ärzten viel leichter machen würde.
Nach Erfahrung von Dr. Luttkus dürften es kaum mehr als 25 Prozent der niedergelassenen Frauenärzte sein, die ihre Patientinnen auf das Programm hinweisen. „Insofern kommt den Medien eine zentrale Rolle zu, denn informierte Frauen können aktiv bei ihren Ärzten und Kassen nachfragen,“ meint Luttkus. Die Etablierung des Modells ist für den Perinatalmediziner gerade hinsichtlich der steigenden Frühgeburtenrate von elementarer Bedeutung. Mediziner führen diese Entwicklung unter anderem darauf zurück, dass Frauen immer später ihr erstes Kind bekommen. Auch Mehrlingsschwangerschaften stellen ein besonderes Risiko dar, ebenso wie der Schwangerschaftsdiabetes, den Frauen häufig entwickeln, ohne es zu merken. Luttkus hat auch in diesem Bereich Studien angestellt.
Rund 30 Prozent der Frühgeborenen vor der vollendeten 32. Schwangerschaftswoche sind von bleibenden motorischen und geistigen Störungen betroffen. Für die Betroffenen können dies schwere Schicksalsschläge sein, zudem entstehen volkswirtschaftlich hohe Kosten. Die Krankenkassen weisen darauf hin, dass Risikoschwangerschaften und Frühgeburten ausschließlich in dafür qualifizierten Zentren behandelt werden sollten. In Nordrhein-Westfalen existieren derzeit 16 durch das Land anerkannte Perinatalzentren. Prof. Dr. Johannes Otte, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, verweist auf zahlreiche nationale und internationale Studien, die eindeutig diese Notwendigkeit belegen. „Die Überlebenschancen für solche Frühgeborene sind in einem Perinatalzentrum 45 Prozent höher als in anderen Krankenhäusern.“
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