| Titel: | Mehr Lebensqualität durch Kombinationstherapien
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| Datum: | 13. 02. 2008
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Hirntumore gehören noch immer zu den Krebsarten mit den schlechtesten Heilungsprognosen. Aber es gibt neue Ansätze, die Lebensdauer der betroffenen Patienten zu verlängern und die Lebensqualität zu erhöhen. Im Neurozentrum Bethel trafen sich jetzt auf Einladung von Prof. Dr. Falk Oppel 80 Ärzte aus der ganzen Region. Auf einem Symposium diskutierten sie aktuelle Studienergebnisse. Es war die erste Veranstaltung Oppels in seiner neuen Funktion als Vorsitzender der Fortbildungsakademie der Ärztekammer Westfalen-Lippe.
Bei Hirntumoren unterscheiden die Experten zwischen Primärtumoren und Metastasen. Primärtumore entstehen im Gehirn und verbreiten sich meist nicht weiter. Metastasen hingegen entstehen durch Absonderung von Krebszellen anderer Geschwüre im Körper, am häufigsten durch Lungenkrebs oder Brustkrebs. Bei ihnen geht es in jedem Fall um eine palliative Therapie, also um eine Verbesserung der Lebensqualität. Aber auch bei den schwersten Formen der primären Hirntumore wie dem Glioblastom ist bis heute eine Heilung kaum möglich.
Hirntumore gehören nicht zu den häufigsten Krebsarten, nehmen jedoch zu. Die Deutsche Krebsgesellschaft geht von rund 8.000 Neuerkrankungen in Deutschland jährlich aus. Die Neurochirurgen am Ev. Krankenhaus Bielefeld operierten in 2004 noch 111 Patienten mit einem Hirnturmor, im vergangenen Jahr waren es bereits 158. Welche Therapieform gewählt wird, ist abhängig von einer genauen Diagnose. Im Neurozentrum Bethel arbeiten Neurochirurgen, Neurologen, Neuroradiologen und Neuropathologen interdisziplinär zusammen.
Gute Erfahrungen gibt es mit einer neuen OP-Methode, vorgestellt durch Dr. Anja Brune, Neurochirurgin im Neurozentrum Bethel. Neuerdings ist es möglich, Hirntumorzellen vor der OP einzufärben. Dadurch lassen sich die Grenzen des Tumors deutlicher erkennen. Konnten bisher nur 35 Prozent der Tumore weitgehend entfernt werden, sind es nun 65 Prozent. Zwar führen die verbliebenen Zellen zum Wachstum eines neuen Tumors, doch schreitet das langsamer voran. Und die so genannten Rezidive können in der Regel erneut operiert werden. Eine Studie beweist, dass den Patienten so eine längere Lebensdauer bleibt.
In der Regel ist es die Kombination aus verschiedenen Therapien, die den Patienten am besten hilft. Häufig angewendet wird bei Hirntumoren die Strahlentherapie, die das Bielefelder Franziskus Hospital in Zusammenarbeit mit dem Neurozentrum Bethel durchführt. Bei bestimmten Voraussetzungen ist heute eine Weiterentwicklung der nuklearen Tumortherapie anwendbar, die Brachytherapie. Hierbei wird radioaktives Jod-125 „Seed“ in den Tumor implantiert. Die Strahlung erfolgt so über Wochen und Monate sehr zielgenau, die Strahlenbelastung des Patienten ist gering. Der Magdeburger Prof. Dr. Jürgen Voges kann in einer langjährigen Studie die Erfolge der Brachytherapie nachweisen. Das Neurozentrum Bethel und die Uniklinik Magdeburg kooperieren in diesen Fällen.
Bei der konservativen Behandlung von Hirntumoren setzen die Fachleute derzeit die meisten Hoffnungen auf das Medikament Temodal. Mehrere Studien belegen, dass eine Kombination aus Strahlentherapie und dem neuen Chemotherapeutikum das Leben der Patienten verlängern kann. Der Neuroonkologe Dr. Michael Rauch stellte eine Vielzahl aktueller Studien vor, an denen sich auch das Neurozentrum Bethel beteiligt. Eine wichtige Botschaft für Ärzte und Betroffene hatte der Gütersloher Onkologe Prof. Dr. Claus Gropp. Einmal pro Monat treffen sich niedergelassene Ärzte und Kliniker im Neuroonkologischen Arbeitskreis in Bethel. „In dieser Konferenz wird jeder Patient aus der Region besprochen,“ versichert Gropp. Wenn auch Heilung nicht möglich ist, haben die Patienten so zumindest die Gewissheit, dass sie eine optimale Therapie erhalten.
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