Krankenhaus Mara

 
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08.08.2019

Bundesbehindertenbeauftragter besucht Bethel-Einrichtungen

Über die medizinische Versorgung von Menschen mit Behinderungen informierte sich der Behindertenbeauftrage der Bundesregierung, Jürgen Dusel, am Dienstagnachmittag in den v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Zentrale Stationen seines Aufenthalts waren das Krankenhaus Mara als Teil des Evangelischen Klinikums Bethel (EvKB) sowie das Haus Karmel, in dem Menschen mit komplexen Behinderungen leben und betreut werden. Neben den Gesprächen mit Betheler Forschern, Pflege- und Führungskräften suchte der Bundesbeauftragte dabei auch den Dialog mit Klienten und Angehörigen.


Juan Fernandez (r.), Leitender Arzt am Zentrum für Behindertenmedizin, zeigte Jürgen Dusel im Krankenhaus Mara die Abläufe auf der Station.

Jürgen Dusel betonte, dass die gesundheitliche Versorgung von Menschen mit Behinderungen eine besondere Herausforderung sei. Im Krankenhaus Mara informierte er sich über die spezielle Ausrichtung des »Zentrums für Behindertenmedizin mit seinen stationären und ambulanten Angeboten. Dass auch die Schnittstellen zwischen Privatleben und medizinischer Versorgung für die erfolgreiche Behandlung von Menschen mit Behinderungen eine wichtige Rolle spielen, verdeutlichte Prof. Dr. Doris Tacke von der »Fachhochschule der Diakonie (FHDD). Sie informierte über das kürzlich abgeschlossene Forschungsprojekt „Klinik inklusiv“. Dabei wurden Krankenhausaufenthalte von Menschen mit komplexen Behinderungen durch Klinische Pflege-Expertinnen (KPE) schon vor der eigentlichen Aufnahme begleitet. So konnten Besonderheiten, Bedürfnisse, Ressourcen und Grenzen von Patientinnen und Patienten besser erfasst und während des Aufenthaltes berücksichtigt werden.

„Wir müssen sicherstellen, dass Menschen mit Behinderungen den nötigen Betreuungs- und Unterstützungsbedarf auch im Krankenhaus bekommen“, hob Jürgen Dusel hervor. Unklar sei derzeit noch die Finanzierung für derlei zusätzliche Leistungen, bei denen teilweise sowohl Kapazitäten aus dem Betreuungs- als auch aus dem klinischen Pflegebereich abgerufen würden. Für eine verbindliche Regelung plädierte Bethel-Vorstand Prof. Dr. Ingmar Steinhart. „Bislang hängt der Erfolg in dieser Hinsicht sehr vom persönlichen Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Einrichtungen und Krankenhäusern ab“, sagte er. Eine Regelung müsse den entstehenden Mehraufwand an beiden Stellen berücksichtigen.

Wie nah beieinander beide Leistungsgebiete liegen, wurde bei einem Besuch im Haus Karmel deutlich. In der Bethel-Einrichtung leben 24 Menschen mit komplexen Behinderungen und teils intensivem Betreuungsbedarf. Vor allem spontane Krankenhausaufenthalte stellten Klienten, Pflegekräfte und Angehörige immer wieder vor große Herausforderungen, berichtete Bethel-Regionalleiterin Anne Mensen. „Wenn wir Menschen ins Krankenhaus begleiten, reißt das ein großes Loch in die Personaldecke“, sagte sie. Das aber sei notwendig, wenn niemand sonst die Begleitung übernehmen könne. „Dieses Thema wird von den Kostenträgern nicht anerkannt“, kritisierte Prof. Dr. Ingmar Steinhart. „Der Mehraufwand wird eher wegdiskutiert. Es wird so getan, als ob er nicht stattfindet.“ Die beschriebene Situation, sei „eines Sozialstaats im 21. Jahrhundert nicht würdig“, stimmte Jürgen Dusel zu.

„Ich bin beeindruckt davon, welch gute Arbeit hier geleistet wird“, sagte der Bundesbeauftrage zum Abschluss seines Bethel-Besuchs. „Für mich war es ein sehr erlebnisreicher Tag mit vielen Eindrücken und vielen Dingen, die an mich herangetragen wurden.“ Es sei wichtig, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, dass Menschen mit Behinderungen ihren Betreuungsbedarf mit dem Verlassen einer Einrichtung nicht verlören, so Jürgen Dusel. Er sei dankbar für die wichtigen Schilderungen aus der Praxis. „Der Tag hat mich sehr inspiriert. Ich möchte versuchen, möglichst viele Ideen von hier nach Berlin mitzunehmen.“

 

 


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