Vier Forscherinnen und Forscher von der renommierten University of California in Santa Barbara haben das Krankenhaus Mara besucht, um sich mit den Betheler Spezialistinnen und Spezialisten über die Erforschung sogenannter Split-Brain-Patienten auszutauschen.
Bei Split-Brain-Patienten wird zur Behandlung der Epilepsie mittels eines hochspezialisierten Eingriffs der sogenannte Balken (Corpus callosum) durchtrennt. Diese Struktur verbindet die beiden Gehirnhälften miteinander. Für die Forschung eröffnet sich dadurch eine seltene Möglichkeit zu untersuchen, wie die beiden Hemisphären zusammenarbeiten und wie sich neuronale Netzwerke nach einem solchen Eingriff verändern und neu organisieren.
Prof. Michael Miller aus Kalifornien forscht seit rund 30 Jahren auf diesem Gebiet. Mit seinem Team aus dem Department of Psychological & Brain Sciences, dem Fachbereich für Psychologie und Neurowissenschaften der University of California in Santa Barbara, ist das Krankenhaus Mara in Bethel ein hochgeschätzter Kooperationspartner: Es ist eines von nur wenigen Krankenhäusern, in denen dieser Eingriff regelmäßig durchgeführt wird. „Damit ist es einer der wenigen Orte weltweit, an denen wir diese Art von Forschung betreiben können“, erklärt Prof. Miller bei seinem Besuch. Gemeinsam mit den Forschenden und klinischen Experten in Bielefeld können Patienten vor und nach einem Eingriff mittels moderner Bildgebung untersucht und Veränderungen der Gehirnnetzwerke verfolgt werden.
Gerade die Verbindung von klinischer Expertise und langjähriger Forschungserfahrung mache die Zusammenarbeit besonders wertvoll. Nur wenige Einrichtungen verfügten über die Erfahrung in der Epilepsiebehandlung und mit dieser speziellen Patientengruppe, betont Miller. Bereits seit sechs Jahren tauschen sich die Forscherinnen und Forscher aus den USA mit den Spezialistinnen und Spezialisten aus der Universitätsklinik für Epileptologie am Krankenhaus Mara aus.
Klinikdirektor Univ.-Prof. Dr. Christian Bien: „Im Mittelpunkt stehen bei der Forschung grundlegende Fragen zur Organisation des menschlichen Gehirns: Wie arbeiten die beiden Gehirnhälften? Wie verändert sich das Gehirn nach einem Eingriff? Und wie können neuronale Netzwerke Aufgaben neu verteilen?“ Die Erkenntnisse könnten langfristig auch dazu beitragen, besser zu verstehen, wie sich das Gehirn nach Schädigungen oder bei neurologischen Erkrankungen neu organisiert und Funktionen wiederherstellt, so Univ.-Prof. Bien.
Foto: v.v.l.: Univ-Prof. Dr. Christian Bien, Prof. Michael Miller, h.v.l.: Oberarzt Dr. Friedrich Wörmann, Oberärztin Dr. Anna Rada, Assistenz Project Scientist Dr. Tyler Santander, Doktorandinnen Selin Bekir und Julie Eitzen.